Von einer psychischen Krankheit kann jeder betroffen sein. Gemäss Angaben des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Nationaler Gesundheitsbericht 2008) leidet rund die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz mindestens einmal im Leben an einer psychischen Störung und jedes Jahr erkranken 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung neu daran. Besonders häufig sind Depressionen, Angststörungen und Substanzabhängigkeiten. Trotzdem ist es in der Schweiz längstens nicht so, dass man sich in einem solchen Fall direkt an einen Psychotherapeuten / Psychiater wendet. Dies kann mit Ängsten und Sorgen verbunden sein, wie z. B. als verrückt oder zu wenig belastbar abgestempelt und ausgegrenzt zu werden, wenn man sich in Therapie begibt. Andere reden nicht gerne über ihre Gefühle, erst recht nicht mit Fremden. Oder können sich nicht vorstellen, was in so einer Psychotherapie passiert und ob das wirklich helfen soll.

Mit unserem Infoblatt möchten wir Ihnen gerne eine Vorstellung geben, was Sie bei einem Psychotherapeuten erwartet und wie Psychotherapie helfen kann. Wir möchten Ihnen Mut machen, sich professionelle Unterstützung zu suchen und über seelische Nöte zu sprechen, denn psychische Krankheiten sind genauso gut behandelbar, wie körperliche Erkrankungen.

Was sind Gründe, warum es zu einer Vorstellung beim Psychotherapeuten kommt?

Im Leben kann es zu seelischem Leid, Konflikten und Krisen kommen. Hohe äussere Belastungen und Stress können manchmal dazu führen, dass eigene Schutz- und Bewältigungsmechanismen nicht mehr ausreichen und eine psychische Krankheit entsteht. Wenn Sie ein psychisches Problem haben und unter persönlichem Leidensdruck stehen, sollten Sie ebenso wie bei körperlichen Erkrankungen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Gründe für das Aufsuchen eines Psychotherapeuten können sein:

  • Persönliche und berufliche Krisen, wiederkehrende Beziehungsprobleme, Paarkonflikte, die nicht gelöst werden können und zu seelischem Leid führen
  • Belastende Lebensereignisse (z. B. Trennung, Scheidung, Todesfälle, traumatische Erlebnisse), die mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Verlust von Freude und Interessen, Gedankenkreisen, Antriebslosigkeit und Schlafproblemen einhergehen
  • Ängste (Ängste im Umgang mit anderen Menschen; Angst vor bestimmten Situationen wie z. B. Zugfahren, Liftfahren, Menschenmengen, Essen und Trinken in der Öffentlichkeit etc.; Angst vor einem bestimmten Tier oder Gegenstand; unbestimmte, aber dauernd präsente Ängste; Angst, an einer Krankheit zu leiden), die Sie im Leben einschränken und zu Verlust von wichtigen Alltagsaktivitäten führen
  • Zwänge (quälende, immer wiederkehrende Gedanken oder Handlungen), die im Alltag grossen Raum einnehmen und zu mannigfachen Einschränkungen führen
  • Schwierigkeiten im Umgang mit sich selbst, die z. B. mit einem tiefen Selbstwert, Identitätsproblemen und negativem Denken einhergehen
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen, mangelnde Emotionsregulation und selbstverletzendes Verhalten
  • Verhaltenssucht
  • Problematisches Essverhalten (Anorexie, Bulimie, Essattacken)
  • Psychosomatische Beschwerden
  • Sexuelle Schwierigkeiten

Ein Psychotherapeut sollte immer dann kontaktiert werden, wenn Änderungen des Verhaltens, Fühlens und Denkens negative Auswirkungen auf die Alltagsgestaltung haben. In der PiZ nehmen sich die Therapeutinnen und Therapeuten Zeit, Problemfelder gemeinsam zu beurteilen und lösungsorientierte Alternativen zu bestehenden „Blockaden“ zu erarbeiten, um Ihnen wieder ein aktives, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Wir arbeiten individuell und multimodal, das heisst auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt und oft mit mehreren Behandlungsansätzen, welche in die Therapie einfliessen.

Was ist Psychotherapie?

Das Wort Psychotherapie stammt aus dem Griechischen. Ursprünglich bedeutete dies im wörtlichen Sinne „die Seele begleiten“; später erhielt der Begriff die Bedeutung „die Seele heilen“. In der Psychotherapie wendet man sich im Gespräch der Behandlung eines psychischen Problems zu. Dabei begleiten und unterstützen wir Sie auf einem Abschnitt Ihres Lebenswegs. Ziel ist es, dass Sie mit Hilfe der Psychotherapie eine Veränderung in ihrem Leben erreichen, die Ihr seelisches Leiden lindert und Ihnen ein sinnerfülltes und befreites Dasein ermöglicht. Wir bieten eine integrative Psychotherapie mit kognitiv-verhaltenstherapeutischem und interpersonellem Schwerpunkt an und beziehen u.a. emotionsfokussierte, klärungsorientierte, imaginative, achtsamkeitsbasierte und systemische Methoden ein.

Wir bieten sowohl Einzelpsychotherapie wie auch Paar- und Familientherapie an. Bei Einzelpsychotherapien ist der Einbezug von engen Bezugspersonen (das heisst einzelne Paargespräche, Gespräche mit den Kindern, mit engen Freunden oder dem Arbeitsgeber) bei Bedarf möglich und willkommen.

In der Psychotherapie werden keine Medikamente verordnet. Sollte die Indikation für eine medikamentöse Behandlung bestehen, kann diese durch Herrn Thomas Köster, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in der PiZ erfolgen.

In der PiZ arbeiten nur Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, welche über eine anerkannte Psychotherapieausbildung verfügen und eine Berufsbewilligung haben. Alle Mitarbeiter der PiZ unterstehen der Schweigepflicht bzw. dem Berufsgeheimnis.

Der Behandlungsablauf

Die ersten Gespräche dienen dem Kennenlernen und der Abklärung, ob eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegt. Wenn möglich und vom Patienten gewünscht werden auch wichtige Bezugspersonen in die Gespräche einbezogen, um ein umfassendes Störungsbild zu erhalten, aber auch um Stärken und Fähigkeiten, die für die Behandlung nützlich werden können, kennenzulernen. Bei Partnerschaftsproblemen erfolgen die Gespräche zumeist gemeinsam, können aber nach Absprache auch zum Teil einzeln erfolgen. Die Behandlung richtet sich nach den zu Beginn gemeinsam festgelegten Zielen, die in Abständen wieder überprüft werden.

Sollten Sie Fragen zur Behandlung haben, so zögern Sie nicht, den PiZ-Mitarbeitern diese zu stellen!